Adressat unbekannt
Kressmann Taylor
Rowohlt Verlag Taschenbuch / € 4,95
So dünn dieses Büchlein aus der rororo Reiher herkommt, so wuchtig ist der Inhalt. Kressmann Taylor, eine unbekannte Autorin aus den USA, verfasste diesen Briefwechsel bereits 1938. In den Jahren 1933/34 spielt die Geschichte einer Freundschaft eines Juden und eines Deutschen. Der Jude lebt in New York, sein Freund ist so eben nach langjährigen USA-Aufenthalt nach Deutschland zurückgekehrt und erlebt nun die Machtübernahme Hitlers mit. Es ist eine Freundschaftsgeschichte, die sich fatal entwickelt. Aber es ist vielmehr, auf dicht gedrängten 61 Seiten, eine schonungslose Aufklärung. Über Mitläufer und Opportunisten, die zu Tätern werden. Wie Rassismus sich einschleicht in den Geist, und wie machtlos der Verstand dem gegenüber zu stehen scheint. Doch – nur beinah machtlos. Dicht gedrängter geht es gar nicht – in einer halben Stunde ist das Buch gelesen, aber es lässt einen nicht mehr los. Gerade wenn mal wieder latenter Faschismus oder Alltagsrassimus uns einholen, wenn mal wieder die Thilo-Sarrazin-endlich-sagts-mal-einer Mentalität einzieht, wenn in NRW Menschen aus 38 Länder einen sogenannten Gesinnungstest (sic!) für ihre Einreise beantworten, müssen wir hinterfragen, wie weit es mit der lieben Toleranz wirklich her ist. Bei all diese Fragen ist dieses großartige Buch ganz nah bei uns!
Wie lässt sich das Zusammenleben der Völker organisieren – im Kleinen, wie im Großen?
Weiterführende Links
http://tinyurl.com/yk37yaa – Verlagsseite zum Buch
http://tinyurl.com/yfj72y7 – FAZ-Kritik vom 14.11.2009, gefunden bei Buecher.de