Archiv für Januar 18th, 2010
Einwerfen – Hamm und Ruhr2010
Kürzlich erschien das Programmheft zum Kulturhaupstadt Jahr der Stadt Hamm (Dezember 2009, Auflage 8.000 Stück). Zuerst war ich überraschend, was dort auf über 70 Seiten alles an Aktivität versammelt war. Dann sah ich mir das mal etwas genauer an – und wurde langsam stutzig:
Das Heinrich-von Kleist-Forum ist ein neuer Ort für Kultur – aber nicht wegen dem Kulturhauptstadtjahr gebaut, sondern weil das alte Büchereigelände zu klein geworden ist. Die nächste Seite: Der Ausbau der Musikschule wird finanziert aus Mittel des Konjunkturpakets II der Bunderegierung – ohne Finanzkrise hätte Hamm dort keinen Anbau! Das der Verein “Das Sachsenkreuz” sein Projekt auch unter dem Kulturhaupstadtjahr labeln lässt, in Ordnung – aber warum gleich zweimal mit dem exakt gleichen Text auftauchen? (vgl Seite 10 und 45!)
Und weiter gings im zweiten Kapitel: Neue Bilder!
Eine Ausstellung der Stadthausgaleire, an diesem Wochenende eröffnet – Projekt der Kulturhaupstadt?! Und warum taucht die Biennale für Lichtkunst, ebenso wie das Sachsenkreuz, zweifach mit identischem Text auf? (Seite 16 und 46) Selbst im Inhaltsverzeichnis ist Wort für Wort dergleiche Titel abzulesen. (Beim Sachsenkreuz unterschied das Inhaltsverzeichnis immerhin noch: “Das Sachsenkreuz” und “Aufstellen des Sachsenkreuzes”) Die direkt danach folgende Ausstellung “Dona Lucis X – Continum” taucht auch doppelt auf, zwei verschiedene Titel (Seite 17 und 28) und auf den Seiten dann, tatsächlich, identischer Text.
Ich wurde also immer kritischer und schaute mir daraufhin alles nocheinmal genauer an.
Auch die Otmar Alt Ausstellung taucht doppelt auf – wieder der identische Text. (Seite 20 und 44) Und warum eine Ägypten Ausstellung im Gustav-Lübke Museum plötzlich eine Kulturhauptstadtausstellung sein soll?
Vermutlich weil sonst nicht mehr viel übrig bleibt. Anstatt den Flyer mit dem Wort Kulturhauptstadt zu überschreiben, sollte er vielleicht heißen: Alles kulturell irgendwie entfernt interessante, das in diesem Jahr in Hamm stattfindet und wovon wir schon wissen!
Zum nächsten Kapitel: Die, vom Oberbrügermeister derzeit lauthals überall angepriesene, Local Hero Woche.
In der Tat, das Eröffnungsfest würde ohne sie nicht stattfinden – aber alles weitere? Auf Seite 28,44,45,46 kann man zum zweiten mal die Texte über Ereignisse durchlesen, die vorher im Heft schon angekündigt waren.
Das Musical Chess, das an diesem Wochenende im Kurhaus stattfindet, erhält selbstverständlich eine eigene Seite – Sowie eine Ausstellung des Stadtarchivs, das normalerweise in den letzten Jahre ja nie zu diesem Zeitpunkt eine Ausstellung angeboten hat (sic!) Das sowohl das alle drei Jahre stattfindende hellwach Festival des Helios Theaters, das 4. Internationale Jazzfest, die 6. Hammer Kulturnacht, der Klangkosmos Weltmusik, der Orgelpfad in dieser Woche stattfinden, ist wahrscheinlich teils Zufall und teils so gelegt – aber keinesfalls sind es Projekte, die nur wegen der Kulturhauptstadt stattfinden – wie das Heft allerdings suggeriert. Warum Rüdiger Hoffman und Volker Pispers plötzlich zu Lokalhelden erklärt werden, bleibt mir verborgen! Nur weil diese beiden Veranstaltungen von zwei in städtsicher Trägerschaft befindlichen Veranstaltungsunternehmen angeboten werden, bedeutet das doch nicht, das sie die Hammer Kulturszene repräsentieren.
Auch das NRW weite Projekte “Jeki” hat es zweimal ins Heft geschafft – und wenigstens mit veränderten Texten. (Seite 36 und 50) Das kann die sogennante Lange Nacht der Literatur von sich nicht behaupten (Seite 37 und 60). Beidesmal der gleiche Text! Bravo!Ach nicht zu vergessen das Jazzfest kommt selbstversändlich doppelt vor – sogar mit verändertem Text – eine Ehre!
Wenigstens werden in dieser Woche Plakate aufgehangen, damit jeder mitbekommt, das Local Hero Woche ist! Warum das allerdings in einem Programmheft zu finden ist (Seite 47)? Ich fordere ab jetzt den den Maximilianpark Hamm auf, in seinen Halbjahresprogrammen anzukündigen, dass er seine Veranstaltungen mit gestalteten Plakaten bewirbt!
Der KlassikSommer ist übrigens auch ein Ruhr2010 Projekt – wie der Celloherbst auch. Sie sind keine jährlich stattfindenden Konzertreihen. Schlosskonzerte finden auf Schloss Heessen auch zum ersten Mal statt und das innere der Pauluskirche wurde von Konzertbesuchern noch nie erblickt. Auch die Reihe Mord am Hellweg – ein Ereignis für das Kulturhauptstadt Jahr. Nur der literarische Herbst scheint vergessen worden zu sein im Kulturreigen – Bis auf Seite 62 mit dem Märchenfestival findet er keine Erwähnung.
Ich habe mal großzügig gestrichen und komme auf 14 Veranstaltungen, die auf Ruhr 2010 zurückgehen und in Hamm statffinden – Davon viermal ein Twinsprojekt, einmal pottfiction, !Sing – Day of Song, zwei Religiöse (NightPrayer und Die Nacht der offenen..) usw. usf.
Von 71 auf 14 Seiten – das macht bei einer 8000 Auflage – eine Ersparnis von 456.000 Blättern!!
Was mich daran wirklich ärgert, ist, das Angebote unter Motto Ruhr2010 einfach gelabelt werden – darüber könnte ich mit grimmiger Miene hinwegsehen und ein wenig wie ein Pferd wütend schnauben, wenn es vereinzelt vorkommen würde – aber in diesem dreisten Ausmaß? Und wenn dazu wiederholt in einem Programmheft diegleichen Veranstaltungen doppelt mit identischem oder leicht verändertem Text vorkommen – dann fühle ich mich von meiner Stadt wirklich vor den Kopf gestoßen, im Pott sagen wir es deutlicher: verarscht! Als wäre ich der Kaiser und die Stadt der Schneider meiner neuen Kleider.
Ich finde die Idee spannend, jedes Jahr zusammenzutragen, was in der Stadt kulturelles läuft – oder zumindest einen Großteil dessen, was angeboten wird – nur dann sollte man das Kind beim Namen nennen und einen Apfel nicht Birne heißen. Ich bin schließlich auch kein Dummkopf!