Hamm elephantasiert – der Ruhrpott hat keine Identität, warum auch. Er ist.
Wer in Hamm aus dem Bahnhof tritt, merkt, das seltsames in dieser Stadt vorgeht: Der Willy-Brandt-Platz ist ein grauer Busbahnhof mit Insel, das Heinrich-von-Kleist Forum von größenwahnsinniger Weltstadtsehnsucht und der zur Zeit im Bau befindliche „Platz der deutschen Einheit“ erinnert planerisch mit seinen Buchsbaumhecken an einen Friedhof. Damit ist das unentschieden dieser Stadt wohlwollend umschrieben. Andere Städte hat es nicht besser getroffen: In Hagen thront das Arbeitsagenturleuchtschild skylinebestimmend über der Stadt – was bei dem Schuldenstand nicht weiter verwunderlich ist. Wer in Essen am Bahnhof steht darf in riesigen Lettern erlesen: Essen – die Einkaufsstadt. Das ergibt wenigstens noch einen Sinn, und mehr als einkaufen (achja, shoppen) geht in Essen auch wirklich nicht. Mülheim an der Ruhr hingegen verwehrt sich jedweder weiteren Assoziation mit dem Spruch: Mülheim – Stadt am Fluss. Passt, und darüber möchte man ertrinken. Über Dortmund thront ein unvergleichliches U einer alten Biermarke über ein european center for creative economy, und Ecce homo: in weiten Teilen muss sich dieser Umstand tatsächlich schöngetrunken werden. Manchmal überkommt mich bei solch einem städtebaulichen Entréeirrsinn das schöne Gefühl für eine Region die keine Identität mehr braucht. Ruhr2010 scheitern mit der Idee der Metropolenidentität ist der Verweigerung der Menschen zu verdanken. Der meist unbewussten Verweigerung, die noch in den alten Schächten und Hütten fußt oder eher eingeschweisst ist. Wir lassen uns nicht vorschreiben was wir noch immer lieben und eigentlich nicht mehr lieben dürfen. Verweigert euch. Wir sind.