ETS-BEEST oder: Ätsch-Bätsch, wir schaffen aus wenigen Teilen TheaterSummen
Welcher Erwachsene-Zuschauer noch immer krampfhaft versucht, in Inszenierungen für die Allerkleinsten die eine Geschichte zu lesen, die erzählt wird, verweigert seinen Assoziationen den Spielraum, den Theater öffnet. Das dieser oft mit einfachsten Mittel geöffnet werden kann, erzählt das niederländische Stück ETS-BEEST von Katrina Brown und Han Buhrs. Eine rechteckige weiße Grundspielfläche, Kohlestifte und eben jene beiden, die Tänzerin und die menschliche Klangstimme genügen zwischen Vogelassoziationen bis zum wilden Rock-n-Roll Sound für die Erwachsenenblicke Türen zu neuen Räumen eröffnen. Die Ebene des Tanzes, der zwischen Ausdruck und Abstraktion wallt, reagiert auf das Summen und Beben der Klangstimme. Dabei wird verzichtet auf Lichtwechsel und technische Soundmaschines, der Mensch selbst wird zum Klangkörper, dessen Resonanzbecken der Spielraum ist, dessen Wellen der Körper der Tänzerin Ausdruck verleihen sucht. Bitte einatmen nach diesem Satz.
Bliebe es bei dieser einseitigen Aktion-Reaktions-Beziehung, gebe es eben keinen Hall zurück zur menschlichen Klangstimme, verkehrte es die Lebenswelt von Menschen. So ist deshalb auch die Beziehung der beiden Spieler untereinander höchst ambivalent. Mal wird geführt, mal führen zu-gelassen. In der Tat ergibt sich hieraus allein zwischen den beiden Spielern, die in schwarzen Hosen und einfarbig warmen Orange-Rot-Hemden ein beachtenswertes Wechselspiel. Einzig nicht klar gesetzt der Einführung der Kohlestifte, ihr der Grund ihres Einsatzes blieb rein auf künstlerische Mittel beschränkt. Aber gerade sie waren dann entscheidende Vermittler im Wechselspeiel zwischn Akteur und Zuschauer, deren Verhältnis sich zum Ende hin vertauschte. Der Zuschauer zum Handelnden, der Akteur zum Beobachter.
Die strikte Beschränkung auf die einzeln miteinander in Bezug gesetzten Darstellungsformen führt zur Frage, welche Elemente des Spiels gerade für die Allerkleinsten vom besonderem Interesse ist. So schien es bei den den jungen Zuschauern die Kohlestifte und die abstrahierte Malerei reizte die kleinen mehr als das Nachahmen der Klangstimme. Erkennbar war allerdings im Bezug auf die brit gefächerten Klänge die Reaktion auf Töne bei den Zuschauern. Da Han Buhrs beinah das gesamte Spiel über in ihren Reihen hockend verbringt, hebt er die Trennung zwischen Bühnegeschehen und vierter Wand von Beginn an auf. Dennoch besteht der konstruierte Bühnenraum durch die weiße Blattfläche, die zumindest in Hamm erst von den Kinder erobert werden musste.
Wer nun ein Fazit verlangt von gut und schlecht sucht wahrscheinlich heimlich in seinem Kopf doch noch immer die eine Geschichte, die erzählt wird. Dabei ist die klassische Konditionierung, die konventinelles Theater durch Pause und Brezel in die Hirnrinde brennt, maßgebliches Hindernis ein Wechselspiel zu eröffnen. Zum Glück, meint und hofft jedenfalls der Autor, werden die Allerkleinsten solch einer Konditionierung entgehen in Zukunft.